Wenn man den Feueralarm nicht hört – Brandmelder für gehörlose Menschen

Was ist, wenn es brennt, man den Feuermelder aber nicht hört? Nicht, weil man tief und fest schläft, sondern es einfach nicht kann. Vor diesem Problem stehen beispielsweise gehörlose und hörgeschädigte Menschen. Jeden Monat verunglücken in Deutschland rund 35 Menschen tödlich durch Brände, die meisten davon in den eigenen vier Wänden. Zwei Drittel aller Brandopfer werden nachts im Schlaf überrascht, die Mehrheit stirbt an einer Rauchvergiftung.

 

Wer davon ausgeht, dass die Hitze, der Nachbar oder das Haustier rechtzeitig Alarm schlagen folgt einer gefährlichen Fehleinschätzung. Durchschnittlich bleiben bei Bränden maximal vier Minuten zur Flucht, bevor eine große Menge an hochgiftigen Gasen entsteht. Und wenn der Nachbar schläft und das Haustier im Nebenzimmer ist, kann es schnell zu spät sein. Ein Feuermelder ist also eine Anschaffung, die Leben retten kann. Die gute Nachricht für Hörgeschädigte und Gehörlose: es gibt Feuermelder, für die man nicht hören können muss.

Diese alarmieren hörgeschädigte Personen beispielsweise durch intensive Lichtblitze, die von der Netzhaut auch bei geschlossenen Augen wahrgenommen werden. Bestenfalls verfügt das jeweilige System zusätzlich über ein Vibrationskissen, welches unter dem normalen Kopfkissen platziert werden kann. Beide Geräte sind per Funkverbindung mit dem Rauchmelder verbunden. Registriert der Rauchmelder eine dichte Rauchentwicklung, überträgt er ein Signal an das Alarmsystem. Dieses alarmiert den Gehörlosen oder Hörgeschädigten dann mittels Lichtsignal und Vibration.

 

Vernetzte Alarmsysteme

 

Wenn das Feuer brennt, ist es häufig schon zu spät

Praktischerweise lassen sich viele Alarmsysteme auch mit weiteren Geräten koppeln, um sie im Alltag nutzen zu können. Gängig sind zum Beispiel Wecker, Babyphone, Türklingeln oder Telefon-Alarme. Der Haken ist jedoch: solche speziellen Feuermelder sind um einiges kostspieliger als die Alarmsysteme für Personen ohne Beeinträchtigung. Während qualitativ hochwertige Rauchmelder für Personen ohne beeinträchtigtes Hörvermögen schon ab 25 Euro zu bekommen sind, belaufen sich die Kosten für Rauchmelder für Hörgeschädigte und Gehörlose auf mehrere hundert Euro.

 

 

Kostenübernahme durch Krankenkasse

Das Gute ist jedoch: Das Bundessozialgericht (BSG) hat in seinem Urteil vom 18.06.2014 (Aktenzeichen: B 3 KR 8/13 R) entschieden, dass Krankenkassen die Kosten für spezielle Rauchmelder für Hörgeschädigte übernehmen müssen. Hintergrund des Urteils war der Fall eines 58-Jährigen Gehörlosen, der bei seiner Krankenkasse einen Antrag auf Kostenerstattung gestellt hat. Seine Ärzte hatten ihm einen optischen Rauchwarnmelder sowie weitere Lichtsignalanlagen für Haustür und Telefon verschrieben.

Die Krankenkasse weigerte sich jedoch, die kompletten Kosten zu übernehmen. Durch das Urteil des Bundessozialgerichts wurde jedoch klar festgelegt, dass es sich bei Rauchmeldern für Gehörlose  um ein Hilfsmittel nach §33 SGB handelt und somit die Krankenkasse die Kosten übernehmen muss. Menschen, die nur noch sehr schlecht hören können, sollten überprüfen, ob eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse auch für sie in Frage kommt. Andernfalls müssten diese auf andere Varianten zurückgreifen. Beispielsweise auf Modelle mit extra lauten akustischen Signalen.

 

Wasabi als Brandmelder
Wasabi als Brandmelder

Eine kuriose Alternative zu den Vibrations- und Lichtsignalen könnte in einigen Jahren aus Japan kommen. Japanische Wissenschaftlicher haben einen Wecker entwickelt, der nicht über Ohren oder Augen aktiv wird, sondern über den Geruchssinn. Wie das gehen soll? Ganz einfach mittels eines scharfen Gewürzes der japanische Küche: Wasabi. Bricht also ein Feuer aus, wird Wasabi in der Luft freigesetzt. Doch es ist nicht der Geruchssinn, der einen weckt, denn es ist erwiesen, dass der Geruchssinn während der Tiefschlafphase pausiert. Die Wasabi-Bestandteile sind jedoch so scharf, dass bereits im Rachen, an Nasenschleimhaut, Nebenhöhlen und Augen schmerzempfindliche Nerven angegriffen werden. Dieser Schmerz ist es, auf den der Schlafende reagiert. Für diese Idee bekamen die japanischen Forscher 2011 den IG-Nobelpreis verliehen. Neben dem Vibrationskissen – und das hat man ja nicht immer am Körper – wäre das Wasabi-System das einzige, welches auch für taubblinde Menschen Wert hätte.

 

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